{"id":734,"date":"2021-04-30T07:47:48","date_gmt":"2021-04-30T08:47:48","guid":{"rendered":"https:\/\/igbce-bielefeld.de\/?p=734"},"modified":"2021-05-10T14:53:18","modified_gmt":"2021-05-10T15:53:18","slug":"sprechen-wir-ueber-den-1-mai","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/igbce-bielefeld.de\/?p=734","title":{"rendered":"Sprechen wir \u00fcber den 1. Mai!"},"content":{"rendered":"<p><strong>Zum Beispiel mit J\u00fcrgen Thannh\u00e4user, Alter 67. Gewerkschaftsmitglied seit 1970. Vertrauensmann, Mitglied im VL-Vorstand, Mitglied der Haus-Tarifkommission, Mitglied im Ortsgruppenvorstand Bielefeld der IG BCE, Serviceassistent IG BCE-Bezirk M\u00fcnster-Bielefeld. Jugendvertreter, Betriebsrat, Konzernbetriebsratsvorsitzender.<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p><em>Was sind deine ersten Erinnerungen an den 1. Mai?<\/em><br \/>\nMein Vater, meine Onkel, deren Arbeitskollegen waren fast alle in der Gewerkschaft. Zum 1. Mai gab es vom Arbeitgeber ein 1. Mai-Geld von 5 DM. Wir Kinder waren auch am 1. Mai dabei. Da gab es noch eine 1. Mai-Demonstration in Brackwede.<br \/>\nF\u00fcr mich ist der 1. Mai der wichtigste Tag f\u00fcr einen Gewerkschafter. Leider sind auch nur die wenigsten Gewerkschafter und Funktion\u00e4re bereit, an diesem Tag auf Maidemonstrationen zu erscheinen.<\/p>\n<p><em>Was verbindest du mit diesem Tag?<\/em><br \/>\nEs ist der Tag der Lohnabh\u00e4ngigen. An diesem Tag sollten sie eigentlich zeigen, dass sie noch da sind, und f\u00fcr ihre Rechte und die Solidarit\u00e4t einstehen. Ich habe immer versucht am 1. Mai dabei zu sein. Leider gab es auch Jahre, da hat der DGB sich nicht mehr auf die Stra\u00dfe getraut.<br \/>\nMeine gr\u00f6\u00dfte Maidemonstration habe ich 1976 in Neapel erlebt. In mehreren Demonstrations\u00adz\u00fcgen waren dort Hunderttausende.<\/p>\n<p><em>Hast du dich mit der historischen Bedeutung des 1. Mai besch\u00e4ftigt?<\/em><br \/>\nJa, sehr intensiv. In diversen Gewerkschaftsschulungen und auch heute noch f\u00fcr die Dokumentation der Gewerkschaftsbewegung in den &#8222;M\u00f6ller-Betrieben&#8220;. Teil dieser Dokumentation ist seit 1891 (seit 130 Jahren!!!!) in jedem Jahr der 1. Mai mit Aufrufen, Resolutionen, Bildern und Berichten.<\/p>\n<p><em>Und was in der Geschichte dieses Tages ist bei dir h\u00e4ngen geblieben?<\/em><br \/>\nDer Widerstand des Kaiserreichs, der Arbeitgeber und des B\u00fcrgertums gegen den 1. Mai als Tag der Werkt\u00e4tigen und als freien Tag. Dass die Staatsorgane, die Polizei und die Beh\u00f6rden jede Gelegenheit genutzt haben, am 1. Mai Veranstaltungsverbote auszusprechen.<br \/>\nDer Blutmai 1929 in Berlin.<br \/>\nDass erst die Nazis den 1. Mai als Feiertag eingef\u00fchrt haben, und das, um die Arbeiter f\u00fcr ihre Ziele zu vereinnahmen, wobei sie im gleichen Augenblick die Arbeiterorganisationen zerschlagen haben.<\/p>\n<p><em>Was ist f\u00fcr dich das Wichtigste, wof\u00fcr dieser Tag steht?<\/em><br \/>\nMeine Maivorstellungen haben sich im Laufe der Jahre gewandelt. Vom &#8222;Kampftag&#8220; zum immer &#8222;Dabeisein&#8220;. In Bielefeld freue ich mich, dass es dort eine Maidemonstration gibt, dass ich &#8222;alte&#8220; Kolleginnen und Kollegen treffe, dass ich dort \u00fcber &#8222;alte&#8220; und &#8222;neue&#8220; Zeiten sprechen kann.<br \/>\nDas Maifr\u00fchst\u00fcck der Ortsgruppe.<br \/>\nDie Teilnahme meiner Br\u00fcder und von mir als &#8222;Blues Brothers&#8220; war &#8222;Pflicht&#8220;. Die &#8222;Blues Brothers&#8220; entsprechen auch unserem Wesen, besonders ihre Aktion gegen &#8222;Neonazis&#8220;.<\/p>\n<p><em>Das Foto oben stammt \u00fcbrigens auch von J\u00fcrgen. Es zeigt den Maiumzug in Bielefeld 2001<\/em><\/p>\n<p><strong>Oder mit Hermann Ostermann, 71 Jahre, seit 1989 bis 2017 Ortsgruppenvorsitzender in Bielefeld, erst der Gewerkschaft Leder, dann der IG BCE; bis 2020 Beisitzer im Vorstand der Ortsgruppe.<\/strong><\/p>\n<p><em>Was sind deine ersten Erinnerungen an den 1. Mai?<\/em><br \/>\nEs gab in Bielefeld zu allen Zeiten gro\u00dfe Kundgebungen der Gewerkschaften, die vor dem Rathaus, manchmal auch auf dem Alten Markt stattfanden. Von manchen Betrieben fanden noch in den 1960er Jahren extra Treffen der KollegInnen statt, von wo aus sie gemeinsam zur Kundgebung gingen. Das wurde sp\u00e4ter aufgegeben.<br \/>\nEnde der1960er Jahre lie\u00df die Beteiligung sehr nach, und auch in Bielefeld wurde vom DGB aus die Feier in einen Saal verlegt. Das kam nicht gut an und die 68er Generation, sprich die Lehrlings-, Sch\u00fcler- u. Studentenbewegung, organisierte auch hier eigene sog. Rote Mai-Demos (einmal am Siegfriedplatz und im Viertel am Fichtenhof). Es gab sogar eine linke Mai-Zeitung der linken Sch\u00fclergruppen. Nach anf\u00e4nglich guter, spektakul\u00e4rer Beteiligung lie\u00df das nach und auch die Gewerkschaften gingen wieder auf die Stra\u00dfe &#8230;<br \/>\nWir hatten bei der Gewerkschaft LEDER auf Vorschlag des Gewerkschaftssekret\u00e4rs Norbert Mikulski mit dem Mai-Fr\u00fchst\u00fcck angefangen. Es war ein Erfolg, obwohl zun\u00e4chst &#8222;nur&#8220; M\u00f6ller-KollegInnen teilnahmen. Es hat sich dann durch die Ortsgruppe auch bei der IG BCE etabliert, so wie es in den letzten Jahren war.<br \/>\nBeim DGB hatte sich das Format des Familienfestes im Ravensberger Park durchgesetzt.<\/p>\n<p><em>Was verbindest du mit diesem Tag?<\/em><br \/>\nEs ist eine gute Tradition, an der ich teilnehme, solange ich gewerkschaftlich aktiv war und bin.<\/p>\n<p><em>Hast du dich mit der historischen Bedeutung des 1. Mai besch\u00e4ftigt?<\/em><br \/>\nJa, in der Zeit der 68er gab es eine Besch\u00e4ftigung vieler Lehrlinge und Sch\u00fcler mit der Geschichte des 1. Mai, insbesondere mit den Verboten in der Weimarer Republik (durch die SPD z. B. in Berlin, sog. Roter Wedding, 1929).<\/p>\n<p><em>Magst du vielleicht noch etwas auf den Roten Wedding eingehen?<\/em><br \/>\nDie Ereignisse am 1. Mai 1929 in Berlin-Wedding sind vor dem Hintergrund der politischen Auseinandersetzungen zwischen KPD einerseits und SPD andererseits zu verstehen. In Berlin hatte der sozialdemokratische Polizeipr\u00e4sident Z\u00f6rgiebel ein Demonstrationsverbot erlassen, was die der KPD nahestehende Arbeiterbev\u00f6lkerung im Wedding zu durchbrechen versuchte. Dabei kam es zu tagelangen heftigen Auseinandersetzungen mit der Polizei, \u00fcber 30 Menschen wurden von der Polizei erschossen und es gab zahllose Verhaftungen. Die KPD versuchte die SPD in der Folge als \u201esozialfaschistische\u201c Partei blo\u00df zu stellen, was die Spaltung der Berliner Arbeiterschaft nur vertiefte. \u00dcber die Haltung der Gewerkschaften, denen die KPD ebenfalls kritisch gegen\u00fcberstand, wei\u00df ich nichts.<br \/>\nEs gibt ein Buch \u00fcber die Ereignisse, das die KPD-Sicht widerspiegelt: Barrikaden am Wedding, Autor: Klaus Neukrantz (das wurde in den 68er Jahren nachgedruckt).<br \/>\nDie Aktualit\u00e4t der Berliner Ereignisse hat ja auch mit der Sichtweise der 68er auf die SPD und die Gewerkschaften zu tun: Berufsverbote und Gewerkschaftsausschl\u00fcsse kritischer Kollegen &#8211; besonders die IG Chemie (Vors. Hermann Rappe) und die Bergbau-Gewerkschaft haben sich da hervor getan.<\/p>\n<p><em>Und was in der Geschichte dieses Tages ist bei dir h\u00e4ngen geblieben?<\/em><br \/>\nEigentlich alles, was wichtig ist, von den Anf\u00e4ngen bis heute.<\/p>\n<p><em>Was ist f\u00fcr dich das Wichtigste, wof\u00fcr dieser Tag steht?<\/em><br \/>\nDass wir, die Gewerkschaften, eine gesellschaftliche Kraft sind und unsere Forderungen an die Zukunft der sog. Arbeitswelt \u00f6ffentlich machen.<\/p>\n<p><strong>Und mit Christa Suckut, 69 Jahre. \u00dcber 30 Jahre Betriebsr\u00e4tin in der Fa. ALCINA Kosmetik, seit 2015 Rentnerin und bis Oktober 2020 Beisitzerin im Ortsgruppenvorstand:<\/strong><\/p>\n<p>&#8222;Ich verbinde mit dem 1. Mai nat\u00fcrlich auch das Mai-Fr\u00fchst\u00fcck, das wir jedes Jahr unseren Mitgliedern angeboten haben.\u00a0 Es fand in den R\u00e4umen des DGB in der Marktstra\u00dfe statt, und zwar luden wir zu 09.30 Uhr zu einem geselligen Fr\u00fchst\u00fcck ein.<br \/>\nDieses Fr\u00fchst\u00fcck sollte eine M\u00f6glichkeit sein, wo man mit Kolleginnen und \u00a0Kollegen aus verschiedenen Betrieben nett beisammen sein konnte, Kaffee trinken, leckere Br\u00f6tchen essen und sich schon mal auf die Kundgebung im Ravensberger Park einstimmen konnte. Einige Kolleginnen und Kollegen brachten auch ihre Kinder mit, f\u00fcr die wir nat\u00fcrlich auch etwas S\u00fc\u00dfes zu schlickern und zu trinken hatten. Jedes Jahr hat es immer wieder mit mehreren Kolleginnen und Kollegen Spa\u00df gemacht, alles rechtzeitig vorzubereiten. Besonders der Kaffee war schnell \u00a0\u201ehei\u00dfbegehrt\u201c. Alexander Partenheimer hatte das sehr gut im Griff.<br \/>\nEs haben auch schon mal einige Kolleginnen und Kollegen\u00a0 von anderen Gewerkschaften \u201ereingeschaut\u201c. Nat\u00fcrlich bekamen sie auch leckere Br\u00f6tchen. Zu 10.30 Uhr schloss sich dann die Fr\u00fchst\u00fccksrunde dem Demonstrationszug an, der vor dem DGB Haus in den Ravensberger Park startete.<br \/>\nNach der Kundgebung war es auch im Ravensberger Park sch\u00f6n, noch weitere Kolleginnen und Kollegen bei einem Bierchen etc. und einem abwechslungsreichen Kulturprogramm zu treffen und zu \u201esnacken\u201c.&#8220;<\/p>\n<p><strong>Mit Ralf Sunder, bei M\u00f6ller Flex in der Qualit\u00e4tssicherung und seit zw\u00f6lf Jahren im Betriebsratsgremium t\u00e4tig, seit acht Jahren Vorsitzender der Vertrauensleute und seit diesem Jahr im Vorstand der Ortsgruppe Bielefeld.<\/strong><\/p>\n<p><em>Was sind deine ersten Erinnerungen an den 1. Mai?<\/em><br \/>\nDas erste Mal als ich aktiv mit Opa dabei war &#8211; mit 15 Jahren &#8211; habe ich die friedliche<br \/>\nMacht gesp\u00fcrt, dass jede Stimme z\u00e4hlt und einen Wert hat.<\/p>\n<p><em>Was verbindest du mit diesem Tag?<\/em><br \/>\nNat\u00fcrlich auch einen Feiertag, aber einen der Arbeiter und nicht nur der Familie, daf\u00fcr gibt es gen\u00fcgend andere.<\/p>\n<p><em>Hast du dich mit der historischen Bedeutung des 1. Mai beschftigt?<\/em><br \/>\nJa. In der Schule haben wir anl\u00e4\u00dflich des 200-j\u00e4hrigen Jubil\u00e4ums des Sturms auf die Bastille 1989 einen Aufsatz dar\u00fcber geschrieben. Und in diesem Zuge auch \u00fcber die Anf\u00e4nge der 1. Mai-Demonstrationen. Da habe ich von meinem Opa, der aktiver Gewerkschafter im Betriebsrat war, auch Einiges \u00fcber den 1. Mai erfahren.<\/p>\n<p><em>Was ist f\u00fcr dich das wichtigste, wof\u00fcr dieser Tag steht?<\/em><br \/>\nEinigkeit und Gleichheit der Arbeiter<\/p>\n<p><strong>Oder mit Joachim Albrecht: &#8222;ich habe von 1997 bis 2020 bei Baxter im Logistikbereich gearbeitet. Seit 2004 war ich Mitglied im VL-K\u00f6rper und auch einige Jahre deren Vorsitzender bis ich als Nachr\u00fccker f\u00fcr ca. 2,5 Jahre in den BR gekommen bin. Seit 01.05.2020 bin ich Rentner. Ich bin seit 48 Jahren in der Gewerkschaft, zuerst in der Gewerkschaft Textil-Bekleidung (auch genannt: \u201cIG Knopf und Stich\u201c), die dann sp\u00e4ter in die IG Metall \u00fcbergegangen ist. Seit 1997 bin ich in der IG BCE und dort seit 2014 im OG-Vorstand. Seit 2020 bekleide ich dort die Funktion des Schriftf\u00fchrers.&#8220;<\/strong><\/p>\n<p><em>Was sind deine ersten Erinnerungen an den 1. Mai?<\/em><br \/>\nAls ich Kind war, wurden die Maikundgebungen noch auf dem Rathausplatz durchgef\u00fchrt. Der gesamte Platz war voller Menschen und es gab kein Durchkommen. Solche Massen gab es sp\u00e4ter nur noch bei Aufstiegsfeiern von Arminia.<\/p>\n<p><em>Was verbindest du mit diesem Tag?<\/em><br \/>\nF\u00fcr mich ist es der Gedenktag an das, was die Gewerkschaften f\u00fcr die Arbeitnehmer in vielen Jahrzehnten durchgesetzt haben.<\/p>\n<p><em>Und was in der Geschichte dieses Tages ist bei dir h\u00e4ngen geblieben?<\/em><br \/>\nUrsprung in den USA. Seit 1956 gesetzlicher Feiertag in Deutschland.<\/p>\n<p><em>Was ist f\u00fcr dich das wichtigste, wof\u00fcr dieser Tag steht?<\/em><br \/>\nDass die Gewerkschaften Pr\u00e4senz zeigen und auf ihre Ziele hinweisen.<\/p>\n<p id=\"line1\"><strong>Und wir sprachen mit Henning Rose, 70 Jahre alt, ehemals Gewerkschaftssekret\u00e4r bei der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie im Bezirk M\u00fcnster-Bielefeld.<\/strong><\/p>\n<p class=\"moz-quote-pre\"><em>Was sind deine ersten Erinnerungen an den 1. Mai?<br \/>\n<\/em>Meine ersten Erinnerungen sind die DGB-Veranstaltungen zum 1. Mai in Wolfsburg im Jahr 1969. Es war die Zeit der Studentenbewegung und der gro\u00dfen W\u00fcnsche, vor allem der jungen Menschen, nach gesellschaftlichen Ver\u00e4nderungen. Ich war damals 19 Jahre alt, Werkzeugmacherauszubildender im VW-Werk, Mitglied der IG Metall und Jugendvertrauensmann. Eine unserer Forderungen damals war der &#8222;Existenzlohn f\u00fcr Lehrlinge&#8220;. Wir Jugendvertrauensleute hatten uns damals sehr f\u00fcr eine gewerkschaftliche Maidemonstration eingesetzt. Die gab es leider nicht, aber immerhin, im Gegensatz zu den Jahren davor, nicht nur eine Saalveranstaltung, sondern eine Kundgebung vor dem Gewerkschaftshaus. Umso begeisterter waren wir, als wir pl\u00f6tzlich von Ferne Sprechparolenrufe und Arbeiterlieder h\u00f6rten, die sich n\u00e4herten. Damals waren die italienischen Arbeiter von VW in einer Art Lager vor der Stadt untergebracht. Die kamen in einem gro\u00dfen Demonstrationszug zur DGB-Kundgebung marschiert. Dort gab es euphorische Verbr\u00fcderungsszenen mit den Teilnehmern der Kundgebung.<\/p>\n<p class=\"moz-quote-pre\">Was verbindest du mit diesem Tag?<br \/>\nMit dem 1. Mai verbinde ich vor allem zwei Dinge. Erstens, dass sich die Mitglieder der verschiedenen DGB-Gewerkschaften ihrer gegenseitigen Solidarit\u00e4t versichern und ihre Anliegen der \u00d6ffentlichkeit, z.B. der Politik, aber auch \u00a0anderen Menschen, die vielleicht noch nicht Mitglied einer Gewerkschaft sind, pr\u00e4sentieren und daf\u00fcr werben. Wichtig ist mir aber auch, Kolleginnen und Kollegen aus anderen Gewerkschaften und Betrieben zu treffen, die ich oft lange nicht gesehen habe, sich auszutauschen oder auch einfach ein Glas Bier zusammen zu trinken und beisammen zu sein.<\/p>\n<p class=\"moz-quote-pre\"><em>Hast du dich mit der historischen Bedeutung des 1. Mai besch\u00e4ftigt?<\/em><br \/>\nDer Ausgangspunkt der 1. Mai-Aktivit\u00e4ten war ja der Streik der nordamerikanischen Arbeiterinnen und Arbeiter f\u00fcr den 8-Stundentag. Und der 1. Mai war in der Geschichte immer ein Konzentrationspunkt f\u00fcr wichtige Forderungen der Gewerkschaftsbewegung, wie den Kampf f\u00fcr die 5-Tage-Woche oder f\u00fcr weitere Arbeitszeitverk\u00fcrzungen.<\/p>\n<p class=\"moz-quote-pre\"><em>Und was in der Geschichte dieses Tages ist bei dir h\u00e4ngen geblieben?<\/em><br \/>\nBei mir ist die wichtigste Erkenntnis aus der Geschichte des 1. Mai: Wenn die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer nicht f\u00fcr ihre Rechte eintreten, dann tut es niemand. Daf\u00fcr brauchen sie starke Gewerkschaften, wie unsere IG BCE, sonst wird das nichts.<\/p>\n<p class=\"moz-quote-pre\"><em>Was ist f\u00fcr dich das Wichtigste, wof\u00fcr dieser Tag steht?<\/em><br \/>\nF\u00fcr mich steht der 1. Mai vor allem f\u00fcr die Solidarit\u00e4t der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer und der unterdr\u00fcckten Menschen \u00fcberall in der Welt. Wenn wir uns in Interessengruppen, in jung und alt, Frauen und M\u00e4nner, Arbeiter und Angestellte, einzelne Gewerke und Nationalit\u00e4ten spalten lassen, dann k\u00f6nnen wir nichts erreichen.<\/p>\n<p><strong>Sowie Wolfgang Herzog, 75 Jahre, Mitglied im Ortsgruppenvorstand, dort verantwortlich f\u00fcr die Bildungsveranstaltungen.<\/strong><\/p>\n<p><em>Was ist dir pers\u00f6nlich am Maifeiertag am wichtigsten?<\/em><br \/>\nDer 1. Mai ist mir ein Ansto\u00df nachzudenken, worauf wir hinauswollen in den Gewerkschaften, \u00fcber das Allt\u00e4gliche und wichtige Tagesforderungen hinaus. Was die gr\u00f6\u00dferen gemeinsamen Anliegen der Gewerkschaftsbewegung insgesamt<br \/>\nsind, und was es eigentlich hei\u00dft, dass das ein internationaler Tag ist.<br \/>\nUnd ganz unmittelbar und hier in Bielefeld ist der 1. Mai eine prima Gelegenheit, mit Leuten zusammenzukommen, auch aus anderen Gewerkschaften und anderen Bereichen,<br \/>\ndie ich sonst nicht treffe.<\/p>\n<p><em>Wann bist du zum ersten Mal mit dem 1. Mai in Ber\u00fchrung gekommen?<\/em><br \/>\nZum ersten Mal mit dem 1. Mai in Ber\u00fchrung gekommen bin ich, jedenfalls das erste Mal, an das ich mich direkt erinnere, das war in der Zeit, als ich Student war. Aus der Studentenbewegung kommend hatten wir revolution\u00e4re Ideen und Ziele, und der 1. Mai war ein Ort und ein Ereignis, die uns daf\u00fcr wichtig waren und wo wir die Teilnehmer*innen f\u00fcr unsere Ideen gewinnen wollten.<\/p>\n<p><em>Hast du dich mit der historischen Bedeutung des 1. Mai besch\u00e4ftigt?<br \/>\n<\/em>Und was in der Geschichte dieses Tages ist bei dir h\u00e4ngen geblieben?<br \/>\nH\u00e4ngengeblieben ist bei mir, dass die Anf\u00e4nge des 1. Mai in einem starken Sinne international waren. Ich habe dazu noch mal nachgeschaut: Der lange und heftige Kampf US-amerikanischer Arbeiter*innen f\u00fcr den 8-Stundentag, ihr Plan zu einem weiteren Streik f\u00fcr diese Forderung am 1. Mai 1890 traf einen Nerv in vielen L\u00e4ndern. Ein Internationaler sozialistischer Arbeiterkongress rief f\u00fcr den 1. Mai 1890 zu einer Kundgebung f\u00fcr den 8-Stundentag \u201ein allen L\u00e4ndern\u201c auf, mit spektakul\u00e4rer Resonanz. Und der 1. Mai wurde von da an immer wieder und weltweit ein Tag der Arbeiter*innenbewegung.<br \/>\nEin Tiefpunkt in der Geschichte des 1. Mai war der 1. Mai 1933 in Deutschland. Die Nationalsozialisten erkl\u00e4rten ihn zum Tag der nationalen Arbeit und zum staatlichen Feiertag. Er sollte nicht mehr Tag der Arbeiter*innen weltweit sein, sondern Tag der deutschen Volksgemeinschaft, die hier gemeinsam marschierte \u2013 und wehe denen, die nicht dazu geh\u00f6rten. Die Hoffnung, die es in Teilen der Gewerkschaftsbewegung gab, man k\u00f6nne einen Platz finden in diesem nationalsozialistischen Deutschland, fand am folgenden Tag, am 2. Mai 1933, ein schlimmes Ende: Die Gewerkschaften wurden aufgel\u00f6st, ihre Mittel und Einrichtungen beschlagnahmt, Gewerkschafter*innen verfolgt und in Konzentrationslager gebracht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zum Beispiel mit J\u00fcrgen Thannh\u00e4user, Alter 67. Gewerkschaftsmitglied seit 1970. Vertrauensmann, Mitglied im VL-Vorstand, Mitglied der Haus-Tarifkommission, Mitglied im Ortsgruppenvorstand Bielefeld der IG BCE, Serviceassistent IG BCE-Bezirk M\u00fcnster-Bielefeld. Jugendvertreter, Betriebsrat, &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/igbce-bielefeld.de\/?p=734\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eSprechen wir \u00fcber den 1. 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